Bearbeitungen

Die Geschichte über eine Frau, die sich als Mann ausgab und schliesslich zum Papst gewählt worden war, war und ist attraktiv für Bearbeitungen. Dies ganz besonders, weil sie durch eine Geburt auf offener Strasse entlarvt worden sein soll.
Hierzu diese Feststellung nach Elisabeth Gössmann(1), einer ausgewiesenen Kennerin der Materie:

Abgesehen von den früheren literarischen Texten wie denen von Boccaccio oder Schernberg setzt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein starkes Interesse an der dichterischen Bearbeitung des Stoffes ein, das bis in die Gegenwart andauert.
Bis ins 19. Jahrhundert handelt es sich bei der überwiegenden Zahl von dichterischen Bearbeitungen der Päpstin-Gestalt um obszöne Aufarbeitungen des Stoffes mit einer politischen Zielsetzung oder Tendenz. So behält sie auch hier die Funktion, die ihr von Anfang an zukam: negative Zustände oder Entwicklungen in kirchlichen Institutionen zu repräsentieren oder zu entlarven: Eine bekämpfte oder nicht mehr ernstgenommene, aber sich immer noch als mächtig gebärdende Institution wird durch die Päpstin lächerlich gemacht.
Die Gestalt dient also als Vehikel für bestimmte Botschaften. Diese Bearbeitungen - allesamt von Männern verfasst - bieten Raum und Vorwand für die Ausbreitung von Belehrungen, von Rachegelüsten und von sexuellen Phantasien, welche die Verwerflichkeit zusätzlich akzentuieren.

Die Botschaft ist klar: Nur Männer können intellektuell und geistlich etwas leisten, nur sie können den Körper ignorieren (Zölibat) und sich dem Spirituellen widmen. Frauen sind dazu unfähig wegen ihres Körpers und wegen ihrer Sexualität.
Diese Haltung macht verständlich, weshalb Frauen keine geistlichen Ämter einnehmen können.  

Auch der Bestseller von D. W. Cross sowie die Filme bleiben bei diesem Muster.


Die Päpstin in der Literatur

Seit der Renaissance wurde die Geschichte von einer verkleideten Frau, die auf dem Papstthron sass, bearbeitet. Eine Auswahl von Texten:

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Drama, Epos, Roman, Oper und Novelle bearbeiten den Stoff in verschiedenen Sprachen und mit wechselnden Schwerpunkten.

Die erste Bearbeitung ist das "Spiel von Frau Jutten" von Dietrich Schernberg (1480). Es liegt heute nur in einem Druck aus der Reformationszeit (1565) vor und ist in dieser Version mit einem Vorspiel und einem Nachwort ergänzt.

19. Jahrhundert

Romantische Geschichte

Achim von Arnim romantisiert die Geschichte. In einer Mischung von Prosa und Vers verändert er den Kontext. Die Hauptfigur wird geläutert und schliesslich zur (angestammten) Rolle der Geschlechter bekehrt.
Der Autor scheut auch Anspielungen an Goethes Faust nicht.

Politisches Anliegen

  • Titelbild Buch E. Rhoides

    Emanuel Rhoides schrieb sein Werk in der Absicht, sich für die Trennung von Staat und Kirche einzusetzen. Es ist eine mit Anzüglichkeiten gespickte Satire. Der Roman löste bei seinem Erscheinen 1866 einen Skandal aus, der Autor wurde exkommuniziert.
    Rhoides hatte und hat zahlreiche Nachfolger in der Gattung obszöner Päpstin-Literatur.

    Das Buch ist auch heute noch bliebt und in zahlreichen Ausgaben und Übersetzungen erhältlich, unter anderem auch in Deutsch.
    Die Geschichte diente als Drehbuchvorlage für die Verfilmung von 1972.

  • 20. und 21. Jahrhundert

    Theaterstücke

    Es wird die Tragödie der gelehrten Frau aufgerollt, in anderen Dramen ist sie eine tragische Heldin oder ihre emanzipative Einstellung wird ins Zentrum gestellt.
    In manchen Bearbeitungen schimmert "braunes Gedankengut" durch.

    Gestaltung als Geschichtsromane

    Rund um den Erdball machten sich Leute an den Stoff:

    Der US-Amerikaner Clement Wood zeigt neben dem Gewohnten auch einige positive Züge der Päpstin.

    Die Australierin Emily Hope bemüht sich um positive Rezeption, benutzt dazu allerdings eine erhebliche Anzahl fiktionaler Elemente.

    Der französische Journalist und Autor Claude Pasteur präsentiert einen fiktiven Briefwechsel.

  • Titelbild Buch D. W. Cross

    Die US-Amerikanerin Donna Woolfolk Cross veröffentlichte den Roman «Pope Joan. A Novel».
    Trotz anderslautend formulierter Absicht geht die Autorin stellenweise grosszügig um mit historischen Aspekten. Und auch hier gilt - wie für die beiden Filme: Sex sells.
    Das Buch wurde ein Bestseller, auch in deutscher Sprache.
    Es ist die Vorlage für die Verfilmung von 2009.


  • Die Päpstin in Film und Musical

    Monumentalfilme

    Anderson, Michael, and John Briley. 1972. Papst Johanna [Pope Joan]. UK.
    Besonders interessant ist die Szene wo die Päpstin den Kaiser Ludwig II krönt und wie er sie später in der Privataudienz als Frau die er schon von früher kannte, wiedererkennt.
    Zusammenfassung des Films und Kommentare zur historischen Richtigkeit
    DVD

    Wortmann, Sönke. 2009. Die Päpstin [Pope Joan] (Film)
    Der Film zeigt die Papstwahl durch das Volk korrekt.
    Zusammenfassung des Films und Kommentare zur historischen Richtigkeit
    DVD

    Musical

    Der Bestseller von D. W. Cross diente auch als Vorlage für ein Musical. Es wurde 2011 in Fulda uraufgeführt.


    Quellen

    (1) Elisabeth Gössmann. Mulier Papa. Der Skandal eines weiblichen Papstes. Zur Rezeptionsgeschichte der Gestalt der Päpstin Johanna. iudicium verlag. München 1994