Cross-Dressing

Vorgeben des anderen Geschlechts

Norah Vincent als Mann
Norah Vincent als Ned

Als Cross-Dressing bezeichnet man das Tragen von Bekleidung und Schmuck des anderen Geschlechtes und das damit verbundene Verhalten.
Hier ist nicht die Darstellung im Theater gemeint, sondern jene im wirklichen Leben.

Motive für einen solchen Rollenwechsel gibt es eine ganze Reihe.
Relativ oft wechseln Frauen in Männerkleider wenn die Zeiten unsicher sind oder im Krieg.

Im Falle von Johannes Anglicus alias Päpstin Johanna ist dieses Phänomen ebenfalls zu untersuchen. Es interessiert hier lediglich der Wechsel von der weiblichen zur männlichen Erscheinung.

Frauen in Männerkleidern

Soziologische Studien zeigen, dass besonders in unsicheren Zeiten oder während Kriegen Frauen als Männer auftreten.

Dorothy Lawrence als Soldat
Dorothy Lawrence
als Soldat
Man spricht auch von «War Time Crossdressing».
Wegen mangelnder Perspektiven in der Frauenrolle oder aus persönlicher Überzeugung (C.F. Meyer, Gustav Adolfs Page) schlüpften Frauen in Männerkleider, verhielten sich entsprechend und wurden häufig nicht oder nach sehr langer Zeit entdeckt.
Es ist eine Möglichkeit, um widrigen Umständen zu entkommen. Frauen tragen Männerkleider  weil sie hoffen, auf diese Weise Vergewaltigungen vermeiden zu können, welche besonders häufig in kriegerischen Situationen vorkommen. Es sind auch Fälle bekannt, in denen Gefangene in der Kleidung des anderen Geschlechts fliehen konnten (Golo Mann, Eine wahre Geschichte).

Bekannt ist der Fall von Dorothy Lawrence, der englischen Reporterin, die im ersten Weltkrieg als Soldat auftrat.

Soziologische Studien der Neuzeit belegen, wie Norah Vincent, die sich im Experiment Ned nannte, mit einfachsten Mitteln wie angepasste Kleidung, Sprechtraining und Bewegungsstudien glaubhaft verschiedene Männerorganisationen infiltrieren. Unter anderem lebte sie in einem katholischen Männerkloster und blieb unentdeckt. (1)

Johanna, das Mädchen aus Mainz, welches später Papst wurde, ist genau in einer solchen Zeit geboren worden.
Um sich weiter zu bilden und den sie interessierenden Studien nachgehen zu können, trat die junge Frau als verkleideter Mann in ein Männerkloster ein. Und offensichtlich waren ihr Wissensdurst, ihre Intelligenz und ihre Herzensbildung sehr gross. Später zeichnete sie sich eben dadurch aus und wurde aus diesem Grunde von ihrem Vorgänger im Papstamt, Benedikt III., sehr geschätzt. Diese Qualitäten führten dazu, dass dieser Kardinal-Diakon schliesslich zum Papst gewählt worden war; dies natürlich in der Annahme, dass es ein Mann war.
Die Kleidersitten im Frankenreich des 9. Jahrhunderts unterschieden sich wenig zwischen Männern und Frauen. Es genügte, die Gewänder zu kürzen und die Haare in einer Art Pagenschnitt zu tragen; Mönche trugen die Tonsur, nicht jedoch einen Bart.


Quellen

Bild «Dorothy Lawrence »: Gemeinfrei
Bild «Norah Vincent als Ned:» Self Made Man. Norah Vincent

(1) Norah Vincent, Self-Made Man: One Woman's Journey Into Manhood and Back Again, 2009
Rezension des Buches in Deutsch